Ferngläser

Da ein Fernglas mehr als nur eine kurzzeitige Anschaffung ist sondern über Jahre bis Jahrzehnte hinweg weder veraltet noch an Qualität verliert sollten Sie ein paar grundlegende Dinge wissen, um das passende Gerät für Sie zu finden. Im folgenden haben wir die wichtigsten Merkmale und Eigenschaften der Ferngläser für Sie aufgelistet und erklärt.

Verschiedene Bauarten: Dachkantprismen oder Porroprismen Sowohl Ferngläser als auch Beobachtungsfernrohre (sogenannte Spektive) verfügen über aufwendige Bildumkehrsysteme, die ein naturgetreues und seitenrichtiges Bild ergeben. Diese beiden Systeme sind das schon ältere Porroprismen-System und das neuere Dachkantprismen-System.


fernglas-porro-prismen-systemDas klassische

Porro-Prismen-System

läßt die einfallenden Lichtwellen unverändert, wodurch im Vergleich zum Dachkant-Prismen-System im Allgemeinen eine leicht bessere Bildqualität erzielt werden kann und die Linsen und Prismen nicht ganz so aufwendig nachbearbeitet werden müssen. Ein weiterer Vorteil der Porro-Variante ist ihre griffsichere Bauweise und der größere Objektivabstand – dadurch wird das räumliche Sehen noch plastischer.


fernglas-dachkant-prismen-systemBei Ferngläsern mit dem neuartigen

Dachkant-Prismen-System

wird durch den Einsatz von exakt geschliffenen, übereinander angeordneten Prismen ist ein fast linearer Strahlengang des Lichts möglich, deshalb sind diese Gläser besonders schlank und handlich. Ein weiterer Vorteil ist, dass die meisten Dachkant-Gläsern eine echte Innenfokussierung besitzen, d.h. die Scharfeinstellung erfolgt über Schneckengänge, die nur Linsen im Inneren des Fernglases verschieben. Außen am Glas befinden sich keine beweglichen Teile, daher ist die Mechanik nahezu perfekt geschützt, es kann weder Schmutz noch Luftfeuchtigkeit eindringen. Auf diese Weise kann problemlos und preiswert eine echte Wasserdichtigkeit des Fernglases erreicht werden.


Typenbezeichnungen: Was bedeutet eigentlich 18x50CF ?
In der Typenbezeichnung eines Fernglases ist meistens schon sehr viel Information enthalten. So gibt sie die Vergrößerung, den Objektivdurchmeser und als drittes oft noch spezielle Eigenschaften des Fernglases wieder:

Die erste Zahl der Typenbezeichnung steht für die Vergrößerung. Ein 8×34 Glas besitzt beispielsweise 8-fache Vergrößerung, das heißt: Ihr Beobachtungsobjekt wird achtmal größer abgebildet als bei der Betrachtung mit dem bloßen Auge, entsprechend nahe wirkt es dann auch im Fernglas. Bis zur 10-fachen Vergrößerung kann man die meisten Ferngläser noch freihändig benutzen. Bei höheren Vergrößerungen ist ein Stativ für ein ruhiges, unverwackeltes Bild zu empfehlen.

Die zweite Zahl der Typenbezeichnung steht für den Objektivdurchmesser. Diese gibt in Millimetern den Durchmesser der Linse an, durch die das Licht in das Fernglas gelangt. Ferngläser mit grossem Objektivdurchmesser sind besser für die Dämmerung geeignet, denn desto mehr Licht kann eintreten.

An dritter Stelle der Typenbezeichnung stehen oft noch einige Buchstaben, die eine spezielle Bedeutung haben. Da es keine offizielle Norm, stehen manchmal verschiedene Abkürzungen für dieselbe Eigenschaft des Fernglases. Im folgenden sind die gebräuchlichsten aufgelistet:

WP – bedeutet „wasserfest“ (water proof). Bei wasserfesten Ferngläsern werden spezielle Dichtungsringe verwendet und die Poren in einem aufwendigen Verfahren imprägniert. Ausserdem wird das Vakuum im Glas mit Stickstoff befüllt, dadurch kann kein Wasser in das Glas eindringen. Sie eignen sich besonders für alle Aktivitäten bei wechselnden Wetterbedingungen, beispielsweise zum Bergsteigen oder Segeln.
B – bedeutet meist „für Brillenträger geeignet“, d.h. das betreffende Fernglas hat einen grossen Okularabstand, damit auch Brillenträger das komplette Sehfeld ohne Abschattungen sehen kann.
G, GA oder RA – steht für „gummiarmiert“ (rubber armed). Diese Ferngläser sind durch eine Gummiarmierung gegen Stoß und Schlag sowie gegen Spritzwasser geschützt.
CF – steht manchmal für „CentralFocus“, manchmal aber auch für „CloseFocus“ –
„Central Focus“ bedeutet Mittelbetrieb. Bei Porroprismen-Ferngläsern sind die Okulare über eine Brücke miteinander verbunden, die durch Drehen des Fokussierrades (sogenannter Mitteltrieb) vor und zurück bewegt werden kann.
„CloseFocus“ bedeutet, dass das Glas eine sehr kurze Naheinstellentfernung hat, in der Regel zwischen 2 und 4m, während sich „normale“ Ferngläser meist erst ab 5 Meter scharfstellen lassen.Wer gerne kleine oder nahe Objekten, wie z.B.
Schmetterlinge oder Vögel, beobachtet ist auf eine kleine Naheinstellung
angewiesen, da das Fernglas bei kleineren Distanzen als dem Nahfokus nicht mehr
scharfstellt.
W, WF, WW oder Wide – steht für „Weitwinkel“, also Ferngläser mit einem sehr großen Sehfeld.
MC – steht für „Mehrschichtvergütung“ (Multi Coated). Da alle hochwertigen Ferngläser mehrschichtvergütet sind, ist dies nicht immer in der Typenbezeichnung explizit vermerkt.
UC – bedeutet „ultra compact“, was für ein sehr kleines und leichtes Fernglas steht (meist aus Aluminium oder selten auch aus Titan).
HP – steht für „HighEyepoint“, diese Ferngläser besitzen eine große Austrittspupillenöffnung.
D – bedeutet „Dachkant“.
IS – steht für „Image Stabilisator“, das sind Ferngläser mit Bildstabilisator, die besonders gern von Ornithologen und Naturbeobachtern verwendet werden.


Weitere Wichtige Eigenschaften: Sehfeld und Dämmerungszahl:
Oft ist ausserdem auf dem Fernglas das Sehfeld entweder in Meter oder in Grad eingraviert.
Darunter versteht man die Breite des übersehbaren Geländes in Metern bei einem Abstand von 1000m vom Betrachter. Mit steigender Vergrösserung wird das Sehfeld immer kleiner.

Bei der Angabe des Sehfeldes als Winkel (z.B. 9°) entspricht 1° etwa 17.5m. Also hat beispielsweise ein Fernglas mit einem Sehfeld von 120m einen Sehwinkel von etwa 6,9°.
Ein Fernglas mit einem Sehfeld über 140m/1000m wird unter der Bezeichnung „Weitwinkel“ angeboten. Diese sind besonders für sich bewegende Objekte (Fußball, schnell fliegende Vögel) empfehlenswert.

Je größer die Dämmerungszahl eines Fernglases, desto lichtstärker ist es und desto mehr Details lassen sich bei schlechten Lichtverhältnissen erkennen. Sie ist also ein Maß für die Sehleistung und die Erkennbarkeit von Details.

Dämmerungszahl = Wurzel aus ( Objektivdurchmesser (in mm)x Vergrösserung )

Das Ergebnis ist nur ein rechnerischer Wert und nur für einen Vergleich von unterschiedlichen Fernglas-Typen (8×30, 7×50, 20×80 usw.) interessant. Die errechnete Zahl berücksichtigt keine Leistungssteigerung des Fernglases durch Vergütung, hochwertige Glassorten usw.


Welches Fernglas eignet sich für welche Anwendung?
Es ist in der Regel schwer Ferngläser in streng getrennte Kategorien nach Anwendungsgebieten einzuteilen, oft kommt es auf die individuellen Bedürfnisse des Beobachters an. Während mancher noch eine 10-fache Vergrößerung bequem aus der Hand benutzen kann, erscheint anderen das Bild schon sehr wackelig und detailarm.

Folgende Kategorien kann man aber als Empfehlungen nehmen:

Sogenannte „Theatergläser“ mit einer Vergrößerung von 2-5 fach sind überall ausreichend, wo die Distanzen nicht so gross sind und das Fernglas noch in jeder Tasche Platz finden sollte, sei es im Theater, in der Oper oder bei einem Konzert. Diese Gläser kommen ohne Prismen aus und sind unter der Rubrik „Pocketferngläser“ zu finden.

„Monokulare“ sind besonders kompakt, da es sich ja um nur ein Linsensystem handelt, durch das man mit nur einem Auge beobachtet. Sie sind für den kurzen Gebrauch gedacht, für längere Beobachtungen sind sie nicht zu empfehlen, da das Auge zu sehr angestrengt wird.

Ferngläser mit 7 – 10facher Vergrößerung werden als „Standardferngläser“ bezeichnet, da sie meist ein ruhiges Betrachten aus der Hand ermöglichen. Die meist faltbaren Kompaktferngläser gehören zu den beliebtesten, da sie nicht viel Platz beanspruchen und sich vom Gewicht her auch nicht so schnell negativ bemerkbar machen. Diese Ferngläser gibt es in verschiedenen Versionen, sowohl als „Pocketferngläser“, „Dachkantferngläser“ wie auch als „Porroprismengläser“.

Eine besondere Fernglasart sind die „Nachtgläser“. Darunter versteht man Ferngläser mit einer hohen Dämmerungszahl und großer Lichtstärke (z.B. 7×50, 8×50 und 8×56). Diese Ferngläser können selbst unter kritischen Lichtbedingungen mit guten bis sehr guten Ergebnissen eingesetzt werden, sie sind aber meistens etwas unhandlicher, also speziell für Leute die in der Dämmerung beobachten wollen.

„Zoomferngläser“ sind eigentlich sehr vielseitig einsetzbare Ferngläser, da sie eine stufenlos verstellbare Vergrösserung besitzen. Allerdings muss bedacht werden dass ab einer 10fachen Vergrößerung unbedingt ein Stativ oder eine sonstige Auflagefläche notwendig wird. Die Größe der Zoomferngläser ist sehr unterschiedlich, es gibt sowohl kleine handliche als auch grosse sperrige.

„Spektive“ (auch Beobachtungsfernrohre genannt) sind für die einäugige Beobachtung ausgelegt. Spektive sind Spezialfernrohre mit Vergrößerungen bis zu 60fach und austauschbaren Okularen, sie werden von Ornithologen, Jägern, Förstern und Sportschützen benutzt. Die Notwendigkeit eines Stativs versteht sich bei so hohen Vergrößerungen von selbst.

„Jumboferngläser“ werden nur in ganz speziellen Anwendungsgebieten eingesetzt, so beispielsweise in der Hobbyastronomie oder in der Fernüberwachung. Sie besitzen hohe Vergrößerungen von 15-40fach und machen deshalb ein Stativ unerläßlich. Ihre Lichtstärke ist meist gross genug um auch in der Dämmerung noch ein gutes Bild zu erreichen.


Worauf man beim Fernglaskauf unbedingt achten sollte:
Brillenträger sollten auf alle Fälle auf einen grossen Augenabstand achten. Ein grosser Augenabstand (ca. 20mm) ist wichtig für Brillenträger, weil sie dann auch mit aufgesetzter Brille das gesamte Sehfeld ohne Randabschattungen beobachten können.

Menschen mit leichter Fehlsichtigkeit sollten auf die Okulareinstellung achten. Hier ist es wichtig, bis zu welcher Dioprienzahl sich das Okular an den Sehfehler des Auges anpassen lässt und ob das Okular durch eine Rastung gegen versehentliches Verstellen sichern läßt.

Ein wichtiges Qualitätsmerkmal kann man gleich nach dem Kauf überprüfen: Richtet man das Glas auf eine weiße Fläche in etwa 30cm Entfernung, so muss eine runde, weiße Fläche erkennbar sein, die zum Rand hin nicht dunkler wird. So können Sie gewährleisten dass alles Licht, das durch das Okular fällt auch wirklich bis an Ihr Auge gelangt.

Weitere Qualitätskriterien machen sich erst bemerkbar nachdem man das Fernglas längere Zeit im Gebrauch hat. Bei einem schlecht verarbeiteten Fernglas stellt man meist fest, dass das Glas optisch nicht korrekt justiert ist, was Kopfschmerzen zur Folge hat wenn man länger durch das Glas schaut.

Ein entscheidendes Merkmal für die Qualität der Ferngläser ist die Vergütung der Linsen und Prismen. Leider läßt sich hier für den Laien nicht feststellen, ob und wie weit das Fernglas vergütet ist.

Normale optische Linsen reflektieren einen Teil des einfallenden Lichtes,wodurch ein Lichtverlust und eine Verminderung des Kontrastes durch Streulicht entsteht. Durch Vergütung der Linsen (so heisst das Aufdampfen einer reflexmindernden Mineralschicht) wird die Reflexion erheblich gemindert und die Lichtdurchlässigkeit gesteigert. Die richtige Art der Vergütung ist sehr wichtig, damit keine störenden Fremdfarben hinzukommen. Ein in allen Farben schillerndes Objektiv eines Fernglases ist ein Zeichen für eine schlechte Vergütung, denn bunte Farben helfen wenig, sondern schlucken eher noch Licht und verhindern, dass man Reflexe, die im Glas entstehen, erkennt.