Der verlockende Mars

Der Mars hat die Menschen schon immer in seinen Bann gezogen. Vielleicht lag es an seiner etwas rötlichen Färbung, die mancherorts mit bloßem Auge zu sehen ist und die Menschen an die Farbe des Blutes erinnerte. Daher sahen zum Beispiel die Alten Griechen in Mars den Gott des „schrecklichen Krieges, des Blutbades und Massakers“ Ares, der später bei den Römern eben Mars hieß.

Unser heutiges Interesse an dem Roten Planeten gründet auf etwas anderen Kriterien. Zunächst einmal ist der Mars als unser Nachbarplanet dann, wenn er uns am nächsten kommt, nur ungefähr 0,4 AE (Astronomische Einheiten) von uns entfernt. Anders als unser Mond besitzt Mars eine dünne Atmosphäre, die zum größten Teil aus „harmlosem“ Kohlenstoffdioxid besteht und auf seiner Oberfläche einen kleinen Luftdruck von nur 0,006 bar entfaltet. Zwar bietet diese dünne Gashülle einen gewissen Schutz gegen die Weltraumkälte, aber es entwickeln sich darin immer wieder enorme, lang anhaltende Sand- und Staubstürme, die vor allem bemannte Marsmissionen ziemlich risikoreich erscheinen lassen.

Dennoch können wir heute davon ausgehen, dass es auf dem Mars einst flüssiges Wasser und damit sehr wahrscheinlich Leben gab. Es gibt eine durchaus realistische Wahrscheinlichkeit dafür, dass sich Reste des Wassers zum Beispiel noch in Kavernen unter der Marsoberfläche befinden, was einen enormen Vorteil darstellen würde mit Blick auf eine spätere Errichtung von bemannten Marsstationen auf oder unter der Oberfläche.

Eine Rakete startet

Die rötliche Farbe des Marsbodens ist natürlich keine Blutlache, sondern sie resultiert aus oxidierten, eisenhaltigen Mineralen, was uns zeigt, dass die Marsatmosphäre einst beachtliche Mengen an Sauerstoff enthalten haben muss. Doch außer billigem Eisen ist davon auszugehen, dass der Mars, genauso wie unser Mond, unendliche Mengen anderer, wertvoller Metalle und Halbmetalle zu bieten hat. Der Mars ist daher nicht nur wissenschaftlich, sondern auch wirtschaftlich eine unerschöpfliche Quelle.

Vor diesem Hintergrund möchten wir gern den weiteren Verlauf der im Jahr 2020 begonnenen vier Marsmissionen aufmerksam verfolgen. Im Juli starteten die ersten unbemannten Sonden eines Viererpacks, bei dem gleich vier ganz unterschiedliche Institutionen beziehungsweise Nationen ihren dauerhaften Anspruch auf den Mars anzumelden versuchen. Das liegt unter anderem an dem gerade sehr günstigen Zeitfenster für die Starts, das Reisen von maximal nur zehn Monaten möglich macht.

Um diese vier Mars-Missionen soll es in allen folgenden Beiträgen gehen, wobei wir unsere Leser natürlich gern auch über andere aktuelle Ereignisse informieren werden:

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) haben am frühen 20. Juli eine Sonde auf der südjapanischen Insel Tanegashima gestartet, die den Mars zunächst nur umrunden soll. Die Marsmission trägt den bezeichnenden Namen „Al-Amal“ (Hoffnung) und soll dem arabischen Land dabei helfen, zur einstigen Größe in den Wissenschaften zurückzufinden, die es in der Vergangenheit schon einmal innehatte.


Am 23. Juli 2020 entsandte China ein Erkundungsfahrzeug, das voraussichtlich im Februar 2021 in einen Mars-Orbit einlenken und im Mai 2021 auf der Oberfläche landen wird. Gestartet ist diese chinesische Mars-Mission „Tianwen-1“ vom Weltraumbahnhof Wenchang. Übersetzen lässt sich die Bezeichnung in etwa mit „Fragen an den Himmel“, was auf ein Gedicht des chinesischen Dichters Qu Yuan anspielt. Das Gesamtsystem besteht aus einem Orbiter und einem Landegerät sowie einem Fahrzeug, das man gut mit einem Golfplatzfahrzeug vergleichen kann.


„Perseverance“ darf mit „Durchhaltevermögen“ übersetzt werden. So heißt der ungefähr 2,1 Milliarden Euro teure US-amerikanische Rover, dessen Aufgabe darin besteht, nach Spuren von Leben zu suchen. Am 30. Juli 2020 hob die Trägerrakete vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral (Florida) ab. Schon ein paar Stunden später meldete das Vehikel technische Probleme, die wahrscheinlich mit der extremen Kälte im Erdschatten zu tun hatten.
Der Rover, der auf der Erde über eine Tonne wiegt (auf dem Mars gut ein Drittel davon), soll im Februar 2021 gemäß Planung in einem „ausgetrockneten See“ landen, wo seine Suche nach Spuren des früheren mikrobiellen Lebens relativ erfolgversprechend ist. Selbstverständlich ist auch die Aufnahme von Staub- und Gesteinsproben vorgesehen. Die Ausstattung von Perseverance umfasst:

  • sieben wissenschaftliche Geräte
  • zwei Mikrofone
  • 23 Kameras
  • einen Laser
  • eine Drohne

Die Raumfahrtagentur ESA wollte in Zusammenwirken mit der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos in diesem günstigen Zeitfenster ebenfalls einen Rover zum Mars entsenden. Doch inzwischen wurde der Start auf 2022 verschoben. Neben Verzögerungen durch die Coronavirus-Epidemie waren es vor allem Probleme mit den Fallschirmen, die bei Tests offenkundig wurden.