Reise zur Venus auf Umwegen

Noch befinden wir uns im Anflug auf den Jupiter zu, wollen aber seine riesige Masse, die in etwa 318 Erden entspricht, ausnutzen, um unsere Rakete in einem weiten Bogen zu beschleunigen, um so schnell wie möglich die Venus zu besuchen, die dringend unsere Hilfe braucht, aber dazu später mehr.

Wer in den letzten Wochen den Himmel aufmerksam beobachtet hat, hat vielleicht gesehen, dass unser „Abendstern“ ganz besonders hell leuchtete, was daran lag, dass die Venus auf ihrer inneren Bahn die Erde in nur 38 Millionen Kilometer Entfernung überholte, was in etwa nur knapp der 100-fachen Distanz zwischen Erde und Mond entspricht.

Kurzer Abstecher nach Europa

Bei dem riskanten Beschleunigungsmanöver um den Jupiter kommen wir seinem Mond Europa so gefährlich nahe, dass wir wirklich aufpassen müssen, nicht damit zu kollidieren. Doch damit nicht genug, denn unter der eisigen Oberfläche des Mondes schlummert sehr wahrscheinlich ein riesiger Ozean, der hin und wieder mit großer Kraft Wasserdampffontänen ins Weltall hinausschießt.

Die Oberfläche des Mondes Europa besteht aus Eis.

Schon für die NASA-Sonde Galileo bedeutete dies vor gut 20 Jahren ein Spießrutenlauf durch gigantische Geysire hindurch. Das Forscherteam um Hans Huybrighs (ESA) und Elias Roussos (Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung) hat sich kürzlich nochmals mit den Messdaten von Galileo beschäftigt. Bei einem der Vorbeiflüge im Januar des Jahres 2000 hatte die Sonde einfach zu wenige energiereiche Protonen abbekommen, was in der wissenschaftlichen Welt hitzige Diskussionen auslöste.

Doch jetzt scheint des Rätsels Lösung gefunden zu sein: Galileo war zufällig durch eine Wolke aus Wasserdampf geflogen, die die Protonen mit Elektronen versorgte und zugleich deren Ladungen neutralisierte. So jedenfalls argumentierten die Forscher jüngst im Fachmagazin „Geophysical Research Letters“.

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Auch der Saturnmond Enceladus ist übrigens so eine Eiswelt mit einem tief verborgenen Ozean. Die Sonde Cassini-Huygens hatte dort derartige Ausstöße von Wasserdampf mehrfach fotografiert. Von beiden Monden glaubt man, dass dort außerirdisches Leben, zumindest in Form von Mikroben, vorhanden ist, denn tief unter deren Eispanzern ist es gemäß den Modellrechnungen warm genug, dass es zu einfachen Stoffwechselvorgängen sehr wohl kommen kann.

Planet Venus. Venus. Es ist der zweite Planet von der Sonne – und nach dem Mond das hellste natürliche Objekt am Nachthimmel.

Venus erwartet uns sehnsüchtig

Während wir gerade über Europa diskutiert haben, hat unser Flugmanöver prima geklappt und wir rasen nun mit mehr als 200.000 km pro Stunde auf die Sonne zu, die unsere Rakete noch weiter beschleunigt. Wichtig ist es nun, zunächst den Asteroidengürtel unbeschadet zu durchqueren, um nach dem Passieren der Mars- und der Erdbahn elegant in eine Umlaufbahn um die Venus einzuschwenken, was ohne Aktivierung unserer Bremsraketen nicht klappen wird.

Mit knapp 12.104 km Durchmesser ist die Venus nur wenig kleiner als die Erde (ca. 12.371 km) und sie ist wegen ihrer extrem langsamen retrograden Rotation wirklich kugelrund, also nicht so abgeflacht wie die Erde. Mit ihren 0,815 Erdmassen herrscht auf ihrer Oberfläche eine „Anziehungskraft“ von 8,87 Meter pro Quadratsekunde, was uns dort nur ungefähr zehn Prozent leichter machen würde. Doch der atmosphärische Druck würde auf ihrer Oberfläche schwer auf uns lasten, in etwa so, als wenn wir fast 1000 Meter tief tauchen würden.

Vergleich von Venus und Erde

Ihre ständig wolkenverhangene Atmosphäre besteht zu 96,5 Prozent aus Kohlenstoffdioxid, der Rest im Wesentlichen aus Stickstoff. Wer schon mal vom Treibhauseffekt gehört hat, wundert sich nun nicht, dass die mittlere Temperatur auf ihrer Oberfläche bei mehr als 460 Grad Celsius liegt und die wenigen Seen, die wir dort vorfinden, aus geschmolzenem, giftig dampfenden Blei bestehen.

Aber warum wartet die Venus auf unseren Besuch?

Es gibt tatsächlich vereinzelt geäußerte philosophische Gedanken, die von einem langen Leidensweg unseres Schwesterplaneten ausgehen und daran glauben, dass die Erde gezielt deshalb intelligentes Leben entwickelt hat, um die Venusatmosphäre durch „Geo-Engineering“ so umzuwandeln, dass die Temperaturen auf ihrer Oberfläche fallen können.

Falls tatsächlich wir Menschen jene auserwählte Spezies sind, die diese „planetenrettende“ Aufgabe übernehmen sollen, müssten wir zunächst einen Weg finden, uns global zu einigen, denn eine solche Mammutaufgabe in der Raumfahrt wäre nur mit vereinten Kräften ohne kriegerische Auseinandersetzungen zu schaffen.

Wie geht unsere Reise weiter?

Unser nächster Ausflug im Juli gilt dem Mars und wir müssen uns sogar ein bisschen beeilen. Forschungseinrichtungen auf der ganzen Welt fiebern gerade dem Sommer 2020 entgegen. Das ist genau die richtige Zeit, um gleich vier Missionen zum Mars zu schicken. Mit von der Partie sind die NASA und die ESA sowie die Vereinigten Arabischen Emirate und China.

Im Zeitraum Juli und August 2020 ist die Konstellation der Planeten Erde und Mars ausgesprochen günstig für einen Besuch, denn der Flug zum Mars dauert dann höchstens zehn Monate. Ein so günstiges Startfenster gibt es nur alle 26 Monate, das heißt, wer es verpasst, kommt nicht umhin, mehr als zwei Jahre auf seine nächste Chance zu warten. Wer einen längeren Flug in Kauf nimmt, was ja möglich ist, müsste aber viel tiefer in die Tasche greifen.