Rendez-vous mit Bennu

Zurzeit sind der „European Space Agency“ (ESA) über 1000 Asteroiden bekannt, die potenziell das Zeug dazu haben, auf die Erde zu stürzen. Gemäß den Berechnungen besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit dafür, dass es in den kommenden Jahrzehnten zu einem folgenreichen Einschlag kommen kann. Davon aufgeschreckt versuchen ESA und NASA (National Aeronautics and Space Administration) einen gemeinsamen Weg zur Abwehr derartiger Himmelsgeschosse zu finden.

NASA und ESA starten ein gemeinsames Asteroiden-Abwehr-Programm

Es sind inzwischen um die 20.000 „Near-Earth-Objects“ (NEO) bekannt. Dabei handelt es sich, wie der Name schon sagt, um relativ erdnahe Kometen oder Asteroiden, von denen einige Durchmesser von mehreren Kilometern aufweisen. In etwa zehn Prozent von ihnen laufen auf potenziellen Kollisionsbahnen um die Sonne, sodass folgenschwere Impact-Ereignisse auf der Erde immer wahrscheinlicher werden. Aus diesem Grunde planen NASA und ESA gemeinsam ein spektakuläres Asteroiden-Abwehr-Projekt.

Zeugen der Gefahr

Vor ungefähr 65 Millionen Jahren am Ende der Kreidezeit (Übergang zum Känozoikum) fand ein so heftiger Einschlag nahe der mexikanischen Halbinsel Yucatán statt, dass die Folgen dieses global fatalen Ereignisses nach heutigem Stand der Kenntnis zum Aussterben der Dinosaurier geführt hatten.

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay | Aussterben der Dinosaurier

Das „Tunguska-Ereignis“ in Sibirien kann auf den 30. Juni 1908 datiert werden. Es handelte sich um eine gewaltige Explosion eines Asteroiden in der Atmosphäre, die einen weiten Bereich der Taiga im wahrsten Sinne des Wortes einknicken ließ.

Am 15. Februar 2013 zerbarst ein Asteroid über der russischen Stadt Tscheljabinsk. Aufgrund der enormen Druckwelle platzten in einem riesigen Gebiet die Fensterscheiben, sodass über 1000 Menschen verletzt wurden.

Wir müssen uns daher alle gewahr sein, dass der nächste verheerende Kometeneinschlag auf der Erde schon längst in dem großen Buch unseres Schicksals festgeschrieben ist. Allein, wir kennen weder das Datum noch den Einschlagsort noch die Sprengkraft des Objekts.

Die Generalprobe

Schon im Juli 2021 wird sich die US-SondeDART“ (Double Asteroid Redirection Test) auf den Weg zum Doppelasteroiden „Didymos“ machen. Ihre Mission besteht darin, im September 2022 auf dem mit circa 160 Meter Durchmesser kleineren Asteroiden „Dimorphos“ aufzuschlagen, um durch den Impuls seine Bahn um den größeren Partner (780 Meter) zu verändern. Das Ausmaß der künstlich provozierten Kursänderung von Dimorphos gibt wichtigen Aufschluss über die Chancen und Risiken, die ein solches Unterfangen birgt.

Bild von lmencos auf Pixabay | Asteroiden

Im Oktober 2024 soll dann die europäische Kontrollmission in Form der ESA-SondeHera“ starten, die in Bremen gebaut wird. Ihre Aufgabe ist es dann, die Auswirkung des Aufpralls von DART mithilfe diverser Messinstrumente, darunter natürlich auch Kameras, genauestens auszuloten. All die daraus abgeleiteten Erkenntnisse sollen in eine zukünftige globale Asteroidenabwehr einfließen.

Diese Probe aufs Exempel erfolgt bewusst an einem Himmelskörper, der uns nicht gefährlich werden kann, da Didymos ungefähr elf Millionen Kilometer an der Erde vorbeirast.

Das eigentliche Objekt der wissenschaftlichen Begierde

Der schwarze Bennu trägt den Namen einer antiken ägyptischen Gottheit. Sein Durchmesser beträgt rund 550 Meter. In etwas mehr als 150 Jahren besteht die Gefahr, dass er auf seiner Bahn der Erde bedrohlich nahe kommt. Für einen Umlauf um die Sonne benötigt er auf seiner elliptischen Bahn knapp 440 Tage. Gemäß aktuellen Berechnungen könnte der Asteroid am 25. September 2135 mit der Erde zusammenstoßen. Da haben wir ja noch etwas Zeit und die Wahrscheinlichkeit einer Kollision liegt nach heutigem Wissensstand nur bei 1:2700.

Ein Asteroid rast auf die Erde zu | Bild von urikyo33 auf Pixabay

Dennoch sind wir gut beraten, die uns noch verbleibende Zeit zu nutzen, denn geringste Variationen seiner Bahnelemente, die zum Beispiel durch Jupiter, der so etwas gerne macht, ausgelöst werden könnten, ändern solche Wahrscheinlichkeiten eben mal schnell auf „Fifty-fifty“ ab. Die Energie, die bei einem Aufprall freigesetzt werden würde, entspräche in etwa 80.000 Hiroshima-Bomben, das ist nicht ganz ohne. Gut also, dass die NASA jetzt schon ein wissenschaftliches Interesse an der Erforschung des Asteroiden Bennu entwickelt hat.

Osiris Rex

Die rund 2100 kg schwere und sechs Meter lange Sonde war vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im September 2016 gestartet und brauchte ungefähr zwei Jahre für ihre Reise zu Bennu, den sie seither beflissentlich umrundet und mit ihrem wissenschaftlichen Equipment genauestens ausspäht. Osiris steht für: „Origins, Spectral Interpretation, Resource Identification, Security-Regolith Explorer“.

Ihr Augenmerk galt vor allem einem potenziellen Landeplatz von der Größe dreier Pkw-Stellplätze. Genau dort ist Osiris Rex am 20. Oktober 2020 gelandet, um „Bodenproben“ einzusammeln, die sie flugs zur Erde bringen soll.

Ein Asteroiden-Rammbock namens Hammer

„Hypervelocity Asteroid Mitigation Mission for Emergency Response Vehicle“ ist der etwas sperrige Name des neuen NASA-Projekts, das sich unter der Abkürzung „Hammer“ gewiss leichter merken lässt. Mit von der Partie ist übriges das US-Kernwaffenlabor „Lawrence Livermore National Laboratory“ (LLNL).  Der große „Hammer“ soll in diesem Fall ein acht Tonnen schweres und neun Meter langes Flugobjekt sein, das mit nuklearen Sprengsätzen ausgestattet sein wird. Es geht also wieder einmal mehr darum, den Asteroiden Bennu von seiner bisherigen Bahn abzulenken. Daher ist es so wichtig, die Zusammensetzung, den Aufbau und die Masse des Asteroiden möglichst genau zu kennen. Die Bodenproben, die uns Osiris Rex im Jahre 2023 liefern wird, sind eine sehr wichtige Basis für eine realistische Abschätzung dieser Parameter.

Vertiefen Sie Ihr Wissen:

Das tolle Beitragsbild ist von A Owen auf Pixabay