Stehen die Sterne gut für mich?

Eine kleine Geschichte.

Es ist nicht meine Art, an der Tür zu lauschen, aber neulich bekam ich ganz zufällig mit, wie meine kleine Tochter Tina meine Frau fragte: „Mama, stehen die Sterne gut für mich? Tante Erika hat gesagt, dass die Sterne unser Schicksal bestimmen, stimmt das?“

„Weißt du, Tina, wir sind eigentlich selbst für unser Schicksal verantwortlich. Gewiss, die Sterne üben seit jeher eine große Faszination auf uns Menschen aus, denn sie verkörpern den Wunsch, nach der eigenen Zukunft fragen zu können und Antworten darauf zu erhalten. Tante Erika war schon immer etwas romantisch veranlagt, aber so ganz unrecht hat sie damit vielleicht gar nicht. Es lohnt sich auf jeden Fall, ab und zu mal in Ruhe den Sternenhimmel zu betrachten und darüber nachzudenken, was du im Leben erreichen möchtest.“

„Danke, Mama, das mache ich gern. Ob Papa mich heute Abend wohl mal mitnimmt, wenn er wieder mit seinem Teleskop zur Anhöhe fährt?“

Obwohl ich jedes Wort meiner belesenen Frau unterschreiben könnte und mich über das Interesse meiner Tina sehr gefreut habe, wollte ich nun doch mehr darüber wissen, wie die Astronomie einst aus der Astrologie, die bei den Menschen früher ein viel größeres Gewicht innehatte, hervorgegangen ist. Immerhin kennt auch heute noch fast jeder sein Sternzeichen und gut jeder dritte Deutsche liest sogar regelmäßig sein Horoskop.

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Bild von Mira Cosic auf Pixabay | Astrologie und Sternzeichen

So stehen die Sterne heute

Das Horoskop ist geradezu eine Instanz der Astrologie. Dabei geht es um die relativen Positionen von Sonne, Mond und Planeten, wobei, wie es früher üblich war, die Erde den Mittelpunkt des ganzen Geschehens darstellt. Die Stellungen von Saturn, Pluto und Co. beeinflussen nach der Lesart der Astrologen die einzelnen Sternzeichen. Das Horoskop ist dann stets die Interpretation dessen.

Darüber hinaus heißt es, dass die Eigenschaften und Charakterzüge der Menschen sehr deutlich durch ihr Sternzeichen geprägt sind. Die Waage ist demnach, wie sollte es auch anders sein, eine eher ausgeglichene Person und der Löwe ist besonders strebsam. Ob derartige „Vorurteile“ einer wissenschaftlichen Prüfung standhalten würden, sei mal dahingestellt.

Bild von Oleg Gamulinskiy auf Pixabay | Sternzeichen – stehen die Sterne gut für mich?

Kurzer Blick zurück

Schon die Alten Ägypter hatten nachweislich großes Interesse an den Bewegungen der Himmelsgestirne, wenngleich wir heute kaum etwas darüber wissen, ob und wie sie das alles gedeutet hatten.

Bild von Karin Henseler auf Pixabay | Was wussten die Alten Ägypter?

Als „Erfinder der Astrologie“ kommen eher die Babylonier infrage. Die Planeten Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn haben sie ohne optische Hilfsmittel gesehen und gern beobachtet, Mond und Sonne gehörten natürlich auch dazu. Die Bewegungen der Gestirne interpretierten sie als göttliche Zeichen, nach denen sie sogar so manche politische Entscheidung richteten.

Die Astrologie, wie wir sie heute kennen, entwickelte sich ungefähr 500 Jahre vor Christus, als vor allem die Griechen Einfluss nahmen auf die Art und Weise der babylonischen Sterndeutung, indem nun die Schicksale einzelner Menschen in den Vordergrund gerückt wurden. Für die Griechen war das Leben jedes Einzelnen grundsätzlich durch die Götter bestimmt.

Der griechische Philosoph Karneades von Kyrene fand diese Sichtweise jedoch recht merkwürdig, indem er sich im zweiten Jahrhundert vor Christus wunderte, wie es wohl sein kann, dass Tausende Kämpfer in derselben Schlacht umkommen, obwohl sie alle gewiss nicht dasselbe Horoskop haben.

Auch die römischen Kaiser befragten gern die Sterne

Im zweiten Jahrhundert vor Christus übernahmen die Römer die Vorherrschaft im Mittelmeerraum und zugleich damit die astrologischen Erkenntnisse der Griechen. So gelangte mancher römische Astrologe zu Ruhm und Ansehen, wenn sein Kaiser wichtige strategische Entscheidungen von den Sternen absegnen ließ.

Die älteste astrologische Abhandlung „Astronomicon“ von Marcus Manilius stammt aus dem ersten Jahrhundert nach Christus und der „Tetrabiblos“ von Claudius Ptolemäus ist auf das Jahr 140 nach Christus datiert. Er enthielt schon das astrologische Basiswissen, an das sich auch moderne Astrologen noch heute halten.

Zwar steht in der christlichen Bibel geschrieben, dass Gott alles, so auch die Himmelskörper, erschaffen hat, aber dass diese irgendeinen magischen Einfluss auf die Menschen ausüben, davon wird in der Bibel nichts erwähnt. Kirchenlehrer gingen eher von einem freien Willen der Menschen und weniger von einem vorbestimmten Schicksal aus. Dennoch wurde Sterndeutung im Mittelalter geduldet und fleißig praktiziert, wenn auch manchmal bestraft.

Ihre Blüte erlebte die Astrologie in der Renaissance

Die Renaissance stellt bekanntlich eine Art Wiedergeburt der Antike dar, was auch und insbesondere die Astrologie betraf. Es sollte nun keine zwei Jahrhunderte mehr dauern, bis die Aufklärung im 17. und 18. Jahrhundert ihren Schwerpunkt klar hin zur wissenschaftlichen Astronomie verlegte und die Astrologie in ihre Schranken verwies. Denn inzwischen war das Teleskop erfunden worden und auf der Grundlage dieser „Wunderbrille“ begründeten Galileo Galilei, Nikolaus Kopernikus und Johannes Kepler ein völlig neues Weltbild. Isaac Newton war es schließlich, der die Bewegungen der Planeten theoretisch auf Basis der Schwerkraft berechnen und vorhersagen konnte.

Bild von Noupload auf Pixabay | Die Sehnsucht nach den Sternen!

Eine wissenschaftliche Anerkennung wurde der Astrologie nie zuteil. In der Konsequenz wurde die Astrologie im 19. Jahrhundert kaum noch betrieben. Wahrscheinlich war es die industrielle Revolution mit ihren so verbreitet menschenunwürdigen Lebens- und Arbeitsbedingungen, die in den Menschen eine starke Sehnsucht nach übersinnlichen Beschützern wie den Sternen weckte. So kam die Astrologie über die USA und England wieder nach Deutschland zurück und gibt so vielen Menschen Halt in schweren Zeiten.