Unsere nächste Reise zum Mars dauert nicht mehr lange

In diesem Jahr 2020 sind gleich vier Marsmissionen geplant. Daran arbeiten mit Hochdruck mehrere Forschungseinrichtungen. Das wird ein „heißer“ Sommer, denn im Juli und August soll es losgehen mit den Starts.

Der Zeitpunkt wurde nicht zufällig gewählt. Erde und Mars befinden sich dann auf ihren Bahnen an so vorteilhaften Positionen, dass die Reise zum Mars in höchstens zehn Monaten zu schaffen ist, ein Katzensprung für kosmische Verhältnisse. Sollten die Wissenschaftler das günstige Zeitfenster verpassen, wird es mehr als zwei Jahre dauern, bis eine solche Konstellation für eine auch in finanzieller Hinsicht günstige Reise wieder gegeben ist.

Betrachten wir aber zunächst den Mars etwas globaler, um das wissenschaftliche Interesse an unserem Nachbarplaneten vielleicht noch besser verstehen zu können.

Der Mars.

Wichtige Kennwerte des Mars

Unser Nachbarplanet ist die Nummer 4 im Sonnensystem und gut 50 Prozent weiter von der Sonne entfernt als die Erde, wobei seine Umlaufbahn leicht elliptisch ist. Ein Marsjahr dauert knapp 687 Tage. Seine Orbithalgeschwindigkeit ist mit gut 24 km/s langsamer als die der Erde (knapp 30 km/s). Zu jenen Zeiten, wenn die Erde auf ihrer Innenbahn den Mars überholt, beträgt der Abstand beider Planeten nur noch 37 Prozent des Abstandes Erde-Sonne (AE).

Wie die Erde ist der Mars etwas abgeflacht, sein Äquator-Durchmesser beträgt circa 6.792 km, von Nord- zu Südpol misst der Planet 6.752 km (mittlerer Erd-Durchmesser zum Vergleich: 12.742 km). Man müsste fast zehn Planeten vom Kaliber des Mars zusammenbacken, um die Masse der Erde zu generieren. Während auf der Erdoberfläche die Gravitationsbeschleunigung bekanntlich 9,81 m/s2 beträgt, sind es auf dem Marsboden nur 3,69 m/s2, das heißt, ein 90 kg schwerer Mann würde dort nur noch knapp 34 kg auf die Waage bringen.

Der (rote) Planet Mars wird erkundet.

Unseren Tagesrhythmus müssten wir auf dem Mars nicht großartig umstellen, denn der Planet dreht sich in 24 Stunden und 37 Minuten einmal um seine Achse, die eine Neigung gegen die Ekliptik-Normale von knapp 25,2 Grad aufweist, also noch 1,7 Grad geneigter ist als die Drehachse der Erde. Für unseren Planeten würde eine größere Schrägstellung noch mehr Wettergeschehen bedeuten.

Für einen Besuch des Mars sind die Eigenschaften seiner Atmosphäre von sehr großer Bedeutung. Der Luftdruck beträgt an der Oberfläche nur 0,006 bar. Um ein Gefühl dafür zu kriegen, müsste man auf der Erde schon hoch hinaus, ungefähr 35 km. Die Temperatur kann tagsüber in Äquatornähe angenehme 20 Grad Celsius erreichen. Doch nachts sollte man auf dem Mars unbedingt „alle Pflanzen reinnehmen“, denn da gehts runter bis -153 Grad Celsius. Kommen wir abschließend noch zur chemischen Zusammensetzung der Atmosphäre (Angaben in Prozent):

  • Kohlenstoffdioxid (CO2) – 95,3
  • Stickstoff (N2) – 2,7
  • Argon (Ar) – 1,6
  • Sauerstoff (O2) – 0,13
  • Kohlenmonoxid (CO) – 0,08
  • Wasser (H2O) – 0,02

Der Wasserdampf in der Marsatmosphäre lässt hoffen, dass auf der Oberfläche grundsätzlich Wassereis zu finden sein müsste, was für spätere bemannte Marsstationen von immenser Bedeutung sein wird.

Die Oberfläche des Mars.

Die geplanten Marsmissionen in 2020 sind:

  1. ExoMars-Mission – Europäische Raumfahrtagentur ESA in Zusammenarbeit mit der russischen Raumfahrtagentur „Roskosmos“. Auf der Marsoberfläche wird der Rover „Rosalind Franklin“ abgesetzt.
  2. Mars 2020-Rover – ein NASA-Projekt.
  3. Sonde „Yinghuo-2“ – organisiert von der chinesischen Raumfahrtagentur CNSA
  4. eine VAE-Marsmission – ausgetragen durch die Raumfahrtorganisation der Vereinigten Arabischen Emirate
Ein Marsroboter erkundet den Mars.

Lesen Sie auch unser weiterführendes Spezial „Der verlockende Mars„. Mit dem Fernrohr wirklich sehen werden wir wohl von dem Spektakel nicht allzu viel. Dafür werden fleißige Sternengucker aber im August durch die Perseïden entschädigt. Wie es zu diesen Feuerkugeln beziehungsweise Boliden kommt, darüber und noch viel mehr wollen wir beim nächsten Mal berichten.

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