Verschiedene Arten von Fernrohren

Die Auswahl des richtigen Fernrohrs ist für EinsteigerInnen nicht so einfach. Es gibt viele verschiedene Modelle auf dem Markt, und die Preise bewegen sich von wenigen hundert bis hin zu mehreren zigtausend Euro. Wir möchten Ihnen daher eine kleine Hilfestellung geben und Sie mit den wichtigsten Informationen versorgen, die Sie vor dem Kauf eines Astro-Fernrohrs unbedingt beachten sollten.

Jedes Instrument hat individuelle Eigenschaften. Auch kleine und preiswerte Geräte erlauben oft sehr gute Beobachtungen. Wichtig ist vor allem die Frage, wie und wo sie das Gerät einsetzen wollen. Wissen Sie schon, ob Sie sich in erster Linie für Planeten- und Sonnenbeobachtungen oder für Deep-Sky-Beobachtungen interessieren? Und ob Sie das Fernrohr stationär einsetzen oder viel transportieren wollen?

Linsen- und Spiegelfernrohre

Fernrohre kann man grundsätzlich in zwei Arten aufteilen: Zum einen die Refraktoren, zum anderen die Reflektoren. Wir wollen Ihnen ganz knapp beide Bauformen erläutern:

Refraktor

Bei den Refraktoren, auch Linsenfernrohre genannt, befinden sich zwei Linsen (Achromate) oder drei Linsen (Apochro-mate) in einer Fassung. Man erkennt sie leicht an ihrer schlanken Form. Refraktoren haben eine sehr gute Abbildungsqualität, sind robust und daher sehr gut zu transportieren und relativ leicht in der Handhabung. Sie werden bevorzugt bei der Beobachtung von Sonne, Planeten und Monden eingesetzt. Da die meisten Refraktoren nicht sehr lichtstark sind, können schwache Gasnebel und Galaxien etwas kontrastarm wirken.

Reflektor

Die Reflektoren (oder Spiegelfernrohre) bündeln das Licht über ein Spiegelsystem im Brennpunkt. Ihr Durchmesser ist wesentlich größer als der von Refraktoren, ihre Länge ist meist geringer. Der Newton-Reflektor ist die häufigste Art der Spiegelfernrohre. Der Beobachter sieht hier vorne an der Seite durch das Fernrohr. Spiegelfernrohre werden vor allem bei lichtschwachen Objekten wie Sternhaufen, Nebel und Galaxien eingesetzt.

Grundsätzlich können Sie mit jedem Fernrohr sowohl Planeten- und Mondbeobachtungen als auch Deep-Sky-Beobachtungen durchführen. Wir empfehlen Ihnen aber dennoch, bei der Kaufentscheidung die Stärken und Schwächen der verschiedenen Systeme zu beachten.

Brennweite und Öffnung

Dies sind die zwei wichtigsten technischen Merkmale eines Fernrohrs. Die Brennweite gibt an, welche Strecke ein Lichtstrahl von der ersten Linse bis zum Brennpunkt, in dem alle Lichtstrahlen in einem Punkt vereinigt werden, zurücklegt. Die Öffnung ist der Durchmesser des Objektivs bzw. Spiegels. Je höher dieser Wert liegt, desto mehr Licht kann das Fernrohr einfangen und desto lichtschwächere Objekte können noch gesehen werden. Aus Brennweite und Öffnung ergibt sich das Öffnungsverhältnis.

Brennweite : Öffnung = Öffnungsverhältnis

Dieser Wert bewegt sich bei Amateurfernrohren meist zwischen 1:4 und 1:15. Refraktoren haben ein größeres Öffnungsverhältnis als Spiegelfernrohre. Als Faustregel gilt also: Für Deep-Sky-Beobachtungen eher ein kleines Öffnungsverhältnis, für Planeten- und Sonnenbeobachtungen sollte dieser Wert dagegen möglichst hoch sein. Geräte, deren Öffnungsverhältnis zwischen 1:9 und 1:11 liegt, kann man als Allrounder bezeichnen und eignen sich besonders für Einsteiger, die noch nicht genau wissen, was sie einmal beobachen wollen.

Die Montierung

Auf die Montierung wird das Fernrohr und sämtliches Zubehör montiert. Das Fernrohr muss aber nicht nur sicher gehalten werden, sondern auch der scheinbaren Bewegung der Gestirne sicher nachgeführt werden. Da sich die Erde bekanntlich um ihre eigene Achse dreht, werden alle Himmelsobjekte in zehn Minuten um jeweils 2,5° verschoben. Mit einer guten Montierung kann man das Fernrohr leicht neu ausrichten.

Bei der azimutalen Montierung müssen immer zwei Achsen gleichzeitig bedient werden. Es ist daher nicht ganz einfach, lichtschwache Objekte mit dieser Montierung zu finden bzw. zu verfolgen. Eine parallaktische Montierung hat den Vorteil, den Objekten des Himmels, die einen Halbkreis beschreiben, über eine Achse folgen zu können. Für diese Montierung empfehlen wir einen elektrischen Antrieb, um ein Objekt auch über einen längeren Zeitraum im Gesichtsfeld zu haben. Für die sehr faszinierende Astro-Fotographie ist dies eine wichtige Voraussetzung.

Die Okulare

Okulare werden nahe dem Brennpunkt eines Fernrohrs angebracht und erzeugen dort ein vergrößertes Bild. Der Beobachter blickt direkt durch sie hindurch. Da das Okular bei Fernrohren auswechselbar ist, kann somit beim selben Fernrohr mit verschiedenen Vergrößerungen beobachtet werden. Es gibt verschiedene Steckgrößen, v.a. 1-Zoll und 1 1/4-Zoll, wobei wir letzteres aufgrund der höheren Qualität empfehlen. Dies ist schon beim Kauf des Fernrohrs wichtig zu wissen, da ein Gerät nur eine der möglichen Okular-Steckgrößen zulässt, also entweder 1” oder 1 1/4” oder eine andere Größe.


Ein Blick durch das Fernrohr lässt entfernte Objekte um ein Vielfaches näher und damit auch größer erscheinen. Erreicht wird das durch die Vergrößerung des Sehwinkels mithilfe von Linsen. Erstmals wurde ein solches, auch als Refraktor oder Teleskop bezeichnetes Gerät, im Jahr 1608 von Hans Lipperhey in Den Haag vorgeführt. Im darauffolgenden Jahr gelang Galileo Galilei der astronomische Durchbruch mit einem Lipperhey-Nachbau.

Verschiedene Bauweisen für unterschiedliche Einsatzgebiete

Bei Fernrohren handelt es sich grundsätzlich um eine Kombination optischer Linsen, die in einer mechanischen Konstruktion untergebracht sind. Abhängig davon, wie die Lichtstrahlen innerhalb des Rohres verlaufen, wird zwischen terrestrischen und astronomischen Teleskopen unterschieden.

Terrestrische Fernrohre wie das von Lipperhey oder Galilei haben als Objektiv eine konvexe Sammellinse, während eine Zerstreuungslinse kleinerer Brennweite als Okular dient. Liegen beide Bauteile im exakten Abstand, entsteht ein aufrechtes und seitenrichtiges Bild, jedoch mit kleinem Sichtfeld. Heute kommt das Prinzip des sogenannten Galilei-Fernrohrs beim Opernglas, bei der Fernrohrbrille und bei Telekonvertern zur Anwendung.

Auch wenn Galilei mit seinem Teleskop einige wichtige Entdeckungen am Sternenhimmel machte, als astronomisches Fernrohr eignet sich eine andere Bauform besser. Bei der erstmals im Jahr 1611 von Johannes Kepler beschriebene Variante dient eine konvexe Sammellinse mit geringer Brennweite als Okular. Der Abstand zwischen Okular und Objektiv entspricht der Summe ihrer Brennweiten. Das Gesichtsfeld ist größer als beim Galilei-Fernrohr. Das Bild steht allerdings auf dem Kopf und ist seitenverkehrt.

In der Astronomie stört das verkehrte Bild nicht, da die Ausrichtung der Beobachtungsobjekte in aller Regel keine Rolle spielt. Beim Einsatz für terrestrische Beobachtungen, beispielsweise bei Aussichtsfernrohren, wird eine Umkehrlinse für die Bildumkehr genutzt.

Arten von Fernrohren. Fernrohr.de

Für jeden Beobachter das richtige Fernrohr

Die Auswahl an Fernrohren, Zubehör und Literatur ist riesig. Jedoch eignet sich nicht jedes Modell gleichermaßen für jeden Anwendungsfall. Ein Kind, das Vögel oder andere Tiere beobachten will, benötigt ein anderes Fernrohr als eines, das den Einstieg in die Himmelsbeobachtung wagen möchte. Ein reiner Sternbeobachter braucht ein anderes Equipment als ein Astrofotograf.

Geht es um rein terrestrische Beobachtungen, reicht für den normalen Gebrauch ein kompakteres Fernrohr mit 60 Millimetern Objektivdurchmesser in Kombination mit einem Zoomokular. Diese Geräte sind handlich und leicht und können auch von Kindern gut benutzt werden. Auch die Planeten Jupiter und Saturn oder Details auf dem Mond sind damit schon recht gut zu erkennen. Ein Feldstecher ist für diesen Einsatzzweck ebenso gut geeignet.

Wer hauptsächlich das Sonnensystem beobachten möchte, ist mit einem Linsenteleskop gut bedient. Beim Erdmond und den Planeten handelt es sich um helle Objekte, die nicht viel Öffnung benötigen und von der kontrastreichen Abbildung eines Refraktors profitieren. Geht es hingegen darum, so tief wie möglich in den Weltraum einzutauchen und Nebel, Kugelsternhaufen und Galaxien zu bewundern, eignet sich ein Spiegelteleskop besser. Diese Fernrohre bieten für das gleiche Budget eine größere Öffnung als Linsenteleskope und sammeln dadurch mehr Licht.