Warum gibt es Sommer und Winter?

Kinder stellen uns oft Fragen, die wir als Eltern nicht immer so auf Anhieb beantworten können. Mit dieser neuen Serie wollen wir den Eltern etwas auf die Sprünge helfen und der Neugier der Kinder „gut verdauliche Nahrung“ geben.

Neulich fragte mich mein Sohn Tim: „Papa, warum gibt es eigentlich Sommer und Winter?

Zwar weiß ich einigermaßen die Antwort darauf, aber wie soll ich das meinem neugierigen, achtjährigen Jungen erklären, ohne ihn zu langweilen oder gar von den Naturwissenschaften abzuschrecken?

Ich habe das so versucht: „Weißt du was, erst einmal basteln wir uns eine Erdkugel. Hast du noch diesen kleinen Plastikball? Dann hol den mal und bring noch einen Filzstift vom Schreibtisch mit.“

Als Tim wiederkam, bekam er die Aufgabe, die Umrisse der Kontinente Afrika und Amerika, so gut er eben konnte, auf den Ball aufzumalen. Klar habe ich ihm so ein bisschen dabei geholfen, wobei ich merkte, dass ich mit meinen Kunstfertigkeiten schnell an meine Grenzen kam, weil ich unbedingt auch die Lage von Europa und Deutschland mit andeuten wollte, aber auf jeden Fall hatte der Junge erst einmal eine Weile zu tun.

Das war aber noch nicht alles. Als er mit den Kontinenten fertig war, sollte er die kleine Erde auch noch mit einer gut sichtbaren Äquatorlinie in eine Nord- und Südhalbkugel teilen. Nachdem er mit dem Stift zweimal abgerutscht war und die Sache korrigiert hat, war die Aufgabe gut erfüllt, kann man sagen.

„So, jetzt gehen wir ins Wohnzimmer zum Schreibtisch und du machst alle Vorhänge zu, auch die schweren, damit es im Zimmer wirklich ganz dunkel wird“, sagte ich zu ihm, während ich die helle Schreibtischlampe anknipste. „Das ist unsere Sonne und du bestrahlst jetzt damit immerzu unsere Erde, ganz egal, wo ich mit ihr hingehe“, hieß meine nächste Anweisung.

Jetzt zeigte ich Tim, dass ich die Erde absichtlich schräg halte, in etwa so, wie sie wirklich im Weltall steht bezogen auf die Sichtlinie zur Sonne hin. Er konnte sehr deutlich sehen, dass Südamerika besonders hell beschienen wird, während Kanada nur noch düster vom Licht gestreift wurde. „Was meinst du, Tim, auf welcher Halbkugel der Erde ist es jetzt warm und wo ist es eher bitterkalt?“, fragte ich meinen Sohn.

„Na, oben im Norden ist jetzt bestimmt Winter und unten in Südamerika ist es total heiß“, antwortete Tim ganz richtig. Dann wanderte ich mit meiner kleinen Erde fest in der Hand, ihre Schrägstellung immer in derselben Richtung haltend, weit um den Schreibtisch herum, bis ich auf der ganz anderen Seite stehen blieb, um Tim wieder zu fragen: „Schau dir jetzt mal die Erde an. Wie würdest du die Situation jetzt beschreiben?“

Tim sah eine ganze Weile zu mir rüber. Endlich machte er den Mund auf und überraschte mich mit seiner gut durchdachten Antwort: „Also, ich finde, dass Nordamerika jetzt ziemlich hell ist und Südamerika verschwindet ganz schön im Schatten. Jetzt ist also endlich bei uns Sommer, genau wie in Nordamerika, und ich kann baden gehen, toll. Weißt du, Papa, als du auf dem Weg dorthin warst, habe ich gesehen, dass die Nordhalbkugel und die Südhalbkugel ungefähr gleich hell waren. War das vielleicht die Frühlingszeit?“

Über seine letzte Frage habe ich mich wirklich sehr gefreut, denn sie zeigte mir, dass Tim unser kleines Experiment prima verstanden hat und sich diese kleine Performance, die mir fast mehr Spaß gemacht hat als meinem Sohn, wirklich gelohnt hat.

Damit er das alles noch besser im Gedächtnis behält, sagte ich abschließend zu Tim: „Weißt du, für uns, die wir ja auf der Oberfläche der Erde leben, stellt sich die Situation so dar, als würde unser Planet im Laufe eines Jahres wie auf einem Stuhl hin und her kippeln. Mal zeigt er der Sonne mehr von seiner Nordhalbkugel, dann ist bei uns Sommer, und während unserer Winterzeit neigt er die Südhalbkugel zur Sonne hin, dann haben eben die Südkontinente Sommer.“

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