Wieso hat der Komet so einen komischen Schweif?

Neulich war ich mit meinem Sohn Tim in Kühlungsborn an der Ostsee. Da fragte er mich beim Strandspaziergang ganz unvermittelt: „Papa, meistens, wenn ich Bilder von Kometen sehe, dann haben die zwei Schweife. Einer ist immer so ganz dünn und geradlinig und der andere verläuft viel breiter in einem weiten Bogen. Weißt du, warum das so ist?“

Bild von urikyo33 auf Pixabay | Schweif eines Kometen

Auweia, dachte ich, da hat er mich heute wohl auf dem falschen Fuß erwischt, denn ich musste in meinem alten Gehirnkasten echt tief graben, bis ich alles zusammengesucht habe für eine vernünftige Antwort darauf. Ich versuchte es mal so:

Weißt du eigentlich, was ein Komet überhaupt ist?

„Na klar, man sagt, der ist wie ein schmutziger Schneeball, also zusammengebacken aus Eis und Geröll und Staub oder so.“

Da hast du gut aufgepasst, Tim, jedenfalls könnte man sehr viele Kometen so beschreiben. Im Grunde genommen haben sie die meiste Zeit überhaupt keinen Schweif, denn sie fliegen auf einer extrem lang gestreckten Bahn ganz weit von der Sonne weg, weit über die Neptun-Bahn hinaus. Dort draußen herrscht Weltraumkälte und deshalb verhärten sich da diese Eisbälle immer mehr.

Doch irgendwann kommen sie auf ihrer merkwürdigen Bahn der Sonne immer näher, wenn auch nur für kurze Zeit und umrunden die Sonne in recht geringen Abständen.

„Ja, genau, das ist dann die Zeit, wenn die Schneebälle zu tauen anfangen.“

So ist es, Tim. Da die Kometen in der Regel nur ein paar Hundert Meter oder wenige Kilometer Durchmesser haben, verfügen sie kaum über eine Schwerkraft, das heißt, den Wasserdampf, der beim Schmelzen entsteht, kann so ein Komet nicht als dünne Atmosphäre festhalten. Diesen und auch andere frei werdende Gase nimmt der ständige Sonnenwind einfach mit hinaus ins Weltall.

All diese total leichte Materie des Kometen steckt in jenem feinen, dünnen Schweif, der zu jedem Zeitpunkt exakt von der Sonne weg gerichtet ist, weil er uns direkt die Strömung des Sonnenwindes anzeigt.

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Bild von skeeze auf Pixabay | Komet Lovejoy mit Blick von der ISS

Durch das Aufschmelzen lockern sich nun viele Staubteilchen und kleine Bröckchen, die der kleine Komet auf seinem wilden Ritt durchs Weltall ebenfalls nicht mehr festhalten kann. Diese Teilchen fallen einfach von seiner Oberfläche herunter, werden ebenfalls von der Strömung des Sonnenwindes von der Sonne weggetragen, haben aber noch ihren eigenen kleinen Impuls von der Bewegung des Kometen.

Daraus ergibt sich eine Art Mischbewegung aus dem Druck der Sonne und der eigenen bisherigen Bahnbewegung. Im Ergebnis erhalten all die kleinen Masseteilchen, je nach Größe sortiert, ihren ganz eigenen weiteren Weg, den wir in ihrer Gesamtheit als leicht abknickenden, gebogenen, breiten Schweif sehen können.

Geh‘ doch noch mal kurz zurück zum Strand und bring eine ordentliche Hand voll Sand mit. Als Tim damit zurückkam, wies ich ihn an, den Sand auf der Glasplatte eines Tisches abzuladen und dann mal von der Seite her kräftig zu pusten, um damit den Sonnenwind nachzuahmen. Tatsächlich flogen die feinsten Sandkörnchen geradlinig und recht weit auf der Platte entlang, während die etwas gröberen Körner zwar paar Zentimeter zu Seite rollten, aber dann in einem etwas weiteren Bogen liegen blieben. Was dabei entstanden war, war gar nicht mal so weit entfernt von einem Kometenschweif und Tims Frage schien mir nun irgendwie beantwortet zu sein. Vielleicht war er auch nur müde an diesem späten Sommerabend?